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Glossar
Artenschutz
Gemäß Bundesamt für Naturschutz bedeutet Artenschutz, „die Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu bewahren und dem zunehmenden Verlust an Biodiversität entgegenzuwirken.“ Quelle: Artenschutzrecht | BfN
Alternativmaßnahmen
Maßnahmen zum Erhalt von Habitatstrukturen, welche anstelle der ursprünglich geplanten Baumarbeiten umgesetzt werden können. Statt einer Fällung kann zum Beispiel ein Ökotorso (Erläuterung siehe unten) stehen gelassen werden. Weitere Möglichkeiten sind eine mechanische Sicherung des Baumes, eine dauerhafte Absperrung des Gefahrenbereiches oder unter Umständen eine Bergung und Installation der Habitatstruktur im Baumumfeld. Mögliche Alternativmaßnahmen sind stets mit dem Auftraggeber und ggf. mit der Naturschutzbehörde abzustimmen und unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheit durchzuführen.
Ausgleichsmaßnahmen
Maßnahmen zur Kompensation von Beeinträchtigungen von Naturhaushalt, Lebensräumen und geschützten Arten mit dem Ziel, ökologische Funktionen zu erhalten, wiederherzustellen oder funktional zu ersetzen (z.B. Schaffung von Ersatzhabitaten). Rechtliche Grundlage sind insbesondere die Eingriffsregelungen nach § 15 BNatSchG.
Ausweichhabitate
Alternative Lebensräume oder Ersatzstrukturen im Baumumfeld, die geschützten Arten vorübergehend oder dauerhaft als Ausweichmöglichkeit zur Verfügung stehen, wenn ihr ursprünglicher Lebensraum beeinträchtigt wird, verloren geht oder zeitweise nicht nutzbar ist.
Baumfremder Bewuchs
Pflanzlicher Bewuchs auf einem Baum, der nicht zum Baum selbst gehört, zum Beispiel Efeu, Misteln, Moose oder Flechten.
CEF-Maßnahmen
Vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen (continuous ecological functionality measures), welche vor einem Eingriff umgesetzt werden, um sicherzustellen, dass die ökologische Funktion betroffener Fortpflanzungs- oder Ruhestätten im räumlichen Zusammenhang weiterhin erhalten bleibt. Ziel ist es, artenschutzrechtliche Verbotstatbestände nach § 44 BNatSchG zu vermeiden.
Dendrotelme
Wassergefüllte Höhlung, Vertiefung oder Struktur an einem Baum, in der sich über längere Zeit Wasser ansammeln kann. Dendrotelmen stellen spezielle Kleinstlebensräume dar und können unter anderem von Insekten, Amphibien oder anderen Organismen genutzt werden.
Endoskop
Technisches Untersuchungsgerät mit Kamera und Beleuchtung zur Einsicht in schwer zugängliche Hohlräume oder Strukturen. Im Baumkontext wird ein Endoskop insbesondere zur schonenden Untersuchung von Höhlungen, Spalten oder anderen potentiellen Habitatstrukturen eingesetzt.
Gefahr in Verzug
Situation, in der wegen einer unmittelbaren Gefahr für Leib, Leben, Gesundheit oder erhebliche Sachwerte sofort gehandelt werden muss. Voraussetzung ist, dass eine hinreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass in überschaubarer Zukunft der abzusehende Schaden eintritt, wenn nicht sofort gehandelt wird.
Habitat
Lebensraum einer Art oder eines Individuums mit den für Aufenthalt, Nahrung, Fortpflanzung und Rückzug erforderlichen Bedingungen.
Habitatbaum
Baum mit besonderen Strukturen oder Eigenschaften, die Tieren, Pflanzen oder Pilzen als Lebensraum dienen (z.B. Totholz, Spalten, Höhlungen, Nester).
Habitatpotential
Eignung eines Baumes oder Lebensraumes, geschützten oder ökologisch bedeutsamen Arten z.B. aufgrund des Alters oder der vorhandenen strukturellen Ausprägungen/Symptome geeignete Lebensstätten zu bieten. Habitatpotential kann auch vorliegen, wenn vom Boden keine Habitatstrukturen direkt ersichtlich sind.
Habitatstrukturen
Struktur an einem Baum bzw. innerhalb eines Lebensraums, welche potentiell als Lebensstätte genutzt werden kann.
Horst
Größeres, meist über mehrere Jahre genutztes Nest, insbesondere von Greifvögeln, Eulen oder anderen größeren Vogelarten.
Kobel
Nestart, welche insbesondere von Eichhörnchen genutzt wird. Meist kugelförmig aus Zweigen, Blättern und weichem Material gebaut.
Mulm
Fein zersetztes, lockeres Gemisch aus Holzresten, Pflanzenmaterial und organischer Substanz, das sich häufig in Baumhöhlen oder Stammverletzungen ansammelt.
Nest
Von verschiedenen Tierarten angelegte Struktur, welche zur Eiablage, Jungenaufzucht oder als Ruheplatz genutzt wird. Einjährige Nester werden in der Regel nur für eine Brutperiode genutzt (z.B. Singvögelnester, Hornissennester), und haben deshalb im ungenutzten Zustand keinen Schutzstatus. Mehrjährige Nester (z.B. Horste) werden dagegen wiederholt genutzt bzw. haben Folgenutzer und sind deshalb dauerhaft geschützt.
Nutzungsspuren
Hinweise auf die aktuelle oder frühere Nutzung eines Baumes oder einer Struktur durch Tiere. Beispielsweise durch Kot, Fraßreste, Federn, Haare, Nistmaterial oder Kratzspuren.
Ökotorso
Bewusst stark eingekürzter oder als Stammrest erhaltener Baum, der aus ökologischen Gründen als Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze erhalten bleibt. Wird z.T. auch als Hochstubben bezeichnet.
Rindenquartier
Spalt, Ablösung oder Hohlraum im Bereich der Rinde, der Tieren wie Fledermäusen oder Insekten als Versteck, Ruhe- oder Aufenthaltsort dienen kann.
Schonende Form- und Pflegeschnitte
Baumpflegerische Schnittmaßnahmen, welche zur Beseitigung des Jahreszuwachses oder mit möglichst geringem Eingriff in Krone zur Gesunderhaltung der Bäume dienen. Unabhängig von den Schutzzeiten gemäß § 39 BNatSchG sind derartige Maßnahmen ganzjährig zulässig.
Vitalität
Ausmaß der Lebenskraft und Regenerationsfähigkeit eines Baumes. Erkennbar etwa an Belaubung, Triebentwicklung, Wundreaktion und allgemeinem Gesundheitszustand.